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Kann man Hamster paarweise halten?

- Hamsterhaltung für Fortgeschrittene -

 

Wer einen Zwerghamster in der Zoohandlung kaufen möchte, wird in der Regel die Erfahrung machen, dass manche Arten nur zu zweit oder mehr verkauft werden. Selbst bei Goldhamstern, die strikte Einzelgänger sind, wird manchmal dieser Fehler begangen. Gründe dafür dürften uninformierte Halter sein, die mit einem konkreten Wunsch nach einem Hamster in die Zoohandlung gehen und an einen Verkäufer geraten, der sich mit dem Sozialverhalten dieser Tiere schlecht auskennt. Die zum Verkauf stehenden Hamster sind noch sehr jung und haben noch nicht den Drang, eigene Reviere zu gründen. Darum sieht ein zusammen gekuschelter Haufen Gold- oder Zwerghamster noch harmonisch und verträglich aus. Mir ist aber auch schon aufgefallen, dass es bei Zwergen wie Dsungaren und Roborowskis Krach in den Behältern gab und sie sich jagten.

Darum möchte ich an dieser Stelle an alle neuen Halter appellieren, sich kein Geschwisterpaar aufschwatzen zu lassen. Die Gruppenhaltung von Hamstern erfordert sehr viel Wissen über das Verhalten der jeweiligen Art, ein harmonisierendes Paar, ZWEI Gehege, sollten die Tiere doch irgendwann anfangen zu streiten, und natürlich Hamster aus Zuchten, wo auf das Sozialverhalten Wert gelegt wird. Dafür ist der Gang zu einem guten Züchter unausweichlich, wenn man in auf Hamster spezialisierten Pflegestellen kein harmonisches Paar findet.

 

Was wird zur Paarhaltung benötigt?

 

Vor den Hamstern sollten zwei Gehege mit den Mindestmaßen 100 x 50cm vorhanden sein. Sollte es unter den Tieren nämlich zu Streit kommen und die Tiere sich beißen, müssen sie getrennt werden um tödliche Verletzungen zu verhindern. Es reicht natürlich, wenn nur ein Gehege für das Paar eingerichtet ist. Dafür muss die Einrichtung aber doppelt vorhanden sein. Bei zwei Zwergen heißt das: zwei Häuser, zwei Laufräder, zwei Näpfe, zwei Tränken im Gehege. Sonst kann es zu Kämpfen um diese für die Hamster wichtigen Ressourcen kommen.

Links ein ausgewachsener Campbell Zwerghamster, rechts zwei Jungtiere

Nach dem Prinzip "doppelt hält besser" bekommen die Hamster ein Überangebot an Ressourcen, damit sie nicht um ein einzelnes Objekt streiten. Meistens nutzen die Tiere ihre Ressourcen jedoch gemeinsam und dabei kann es zum Konflikt kommen. Alle Verstecke und Wohnhäuser sollten deshalb mit mindestens zwei Ein- bzw. Ausgängen ausgestattet sein, damit ein Hamster nicht von seinen Artgenossen in die Ecke gedrängt werden kann. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, da Störungen in der Gruppe zu Verfolgungsjagden führen können.

Die Größe des Geheges darf die Mindestgröße nicht unterschreiten, aber eine gewisse Größe nicht überschreiten. Sonst kann es passieren, dass die Hamster Reviere bilden. Was genau die kritische Größe ist und welche weiteren Umstände zu Konflikten führen, ist jedoch nur wenig aus Halterkreisen bekannt, da in Foren generell zur Einzelhaltung geraten wird. Angesichts der Probleme unerfahrener Halter, deren Tiere sich ungewollt vermehrt oder gebissen haben, ist die Empfehlung nachvollziehbar. Sozielverträglichen Zwergen tut man jedoch unrecht, vor Allem wenn man sie aufgrund solcher Empfehlungen aus einer stabilen Partnerschaft reisst.

Die Beobachtung und Dokumentation von gleichgeschlechtlicher Gruppenhaltung des Roborowski - Zwerghamsters wird mein Projekt für dieses Jahr, damit ich vor Allem zukünftigen Zwergenhaltern zu einem guten Start verhelfen kann.

 

Welche Hamster eignen sich zur Paarhaltung?

Der Goldhamster ist ein Einzelgänger, der sein Revier aggressiv verteidigt. Spätestens mit einem Alter von 10 Wochen ist es mit der friedlichen Kuschelei mit seinen Geschwistern vorbei. Es gibt sehr, sehr seltene Fälle, wo sich diese Tiere über längere Zeit in einem Käfig vertragen haben, aber in der Regel kommt es unter den Tieren zu Mobbing bis tödlichen Bissverletzungen. Dazu komme ich später noch.

Den verträglichsten Eindruck machen die Campbell Zwerghamster. Diese Hamster leben in der Natur als monogames Paar, welches ganzjährig seine Jungen großzieht. Die Haltung eines gleichgeschlechtlichen Geschwisterpaares ist hier die beste Empfehlung und die einzige Möglichkeit, von ständigem Nachwuchs "verschont" zu bleiben.

Diese Hamstergruppe stammt aus der Zucht "Campbellis of Leijona" Vielen Dank an Gosia für Deine Fotos und Infos!

Unter den beschriebenen Voraussetzungen zur Haltung, und dem Glück, einen Züchter mit verträglichen Hamstern zu finden, kann zwischen den Tieren eine lebenslange Bindung entstehen und ein übrig gebliebenes Tier nach dem Tod seines Artgenossen wirklich trauern. Zumindest sind mir solche Berichte von Campbellhaltern bekannt und man sollte die Sache mit der Trauer und einem "gebrochenen" Herzen berücksichtigen.

Die Auswahl verträglicher Tiere findet durch Beobachtung des Verhaltens statt. Nicht jedes Tier verträgt sich, was sich durch Mobbing (Hamster A macht Hamster B Ressourcen streitig) oder durch häufiges Jagen und Beißen zeigt.

Was in Echtzeit wie harmlose Spielerei aussieht, ist hier bereits deutliches Mobbing: Das dominante Tier unterdrückt den Artgenossen und zwingt ihn zur Unterwerfung. Zum Schutz des Schwächeren wurden diese Jungtiere getrennt. Bei schlecht sozialisierten Tieren käme es zu Bissverletzungen im Bauchbereich weil das dominantere Tier die Unterwerfung nicht erkennen würde!

Wie man sehen kann, ist es mit viel Aufwand und manchmal auch mit Schwierigkeiten verbunden, wenn man Zwerghamster zu mehreren hält oder halten möchte. Bitte daher vor dem Kauf genauestens selbst informieren, bei Züchtern oder in Hamsterforen. Fehler darf man sich bei dieser Haltung nicht erlauben, sonst passieren selbst bei den Campbells unschöne Dinge, die ich weiter unten noch zeige.

Der Roborowski - Zwerghamster wird im Zoohandel fast immer als verträglich beschrieben und mindestens zu zweit verkauft. Mir hatte man mal erklärt, dieser Zwerg würde ohne Artgenossen eingehen. Nun, das habe ich zum Glück bisher anders kennen gelernt. Unbestreitbar ist, dass man als Ungeübter bei den wuseligen Robos die Geschlechter kaum unterscheiden kann und nicht selten ein Paar beider Geschlechter verkauft bekommt. Nicht immer kommt es sofort zu Nachwuchs, manche Tiere lassen sich mitunter Monate Zeit. Oder sie gebären laufend Nachwuchs und fressen ihn, wodurch die Schwangerschaft vom Halter unbemerkt bleibt. Solche Beziehungen bedeuten enormen Stress und sind unbedingt zu vermeiden.

Erst kürzlich mailte mir eine Tierschützerin, dass sie eine 6er Gruppe dieser Zwerghamster aufgenommen hatte, welche noch vor der Abholung einen Artgenossen getötet und sich während der Autofahrt heftig gestritten hatte. Sofort kamen Alle in "Einzelhaft". Obwohl die schon länger bestehende Gruppe nur aus Weibchen bestehen sollte, bekamen manche Junge... Zur Verteidigung der Hamster muss erwähnt werden, dass sie in einem sehr kleinen Käfig gehaust haben, sicherlich ohne genügend Versteckmöglichkeiten. Dazu kam die ständige Anwesenheit des anderen Geschlechts, was zu hohen Aggressionen führt.

Bei mir hatte ich im letzten Jahr zwei Gruppen junger Roborowski - Zwerghamster, mit denen ich wiederum positive Erfahrungen gemacht habe.

Über das Sozialverhalten des chinesischen Streifenhamsters ist man sich offenbar noch weniger einig. Während die eine Fraktion ihn als streitsüchtigen Einzelgänger bezeichnet, propagieren manche Züchter eine gleichgeschlechtliche Paarhaltung. Da die chinesischen Streifenhamster in Deutschland selten zu bekommen sind, gibt es noch wenige Infos darüber, wie sie sich in Gefangenschaft untereinander verhalten.

Diese Schwestern haben sich bis zur Trennung nicht gestritten, doch das untergeordnete Weibchen durfte nur die Reste des Futters fressen, während die Andere nur die besten Stücke fraß. 

Beim Dsungarischen Zwerghamster geht der Trend mittlerweile zur Einzelhaltung, was meiner Meinung nach auch im Sinne der Tiere ist. Der Dsungare soll in der Natur zeitweilig als gemischtgeschlechtliches Paar leben, und die restliche Zeit allein. Da ist es nicht wunderlich, dass die Gruppenhaltung in Gefangenschaft nur äußerst selten funktioniert. Mein schon verstorbenes Weibchen habe ich aus einer Paarhaltung mit einem anderen Weibchen übernommen. Während das andere Weibchen regelrecht fett gewesen war, nahm meine "Smithy" zwei Wochen nach ihrem Einzug bei mir ab (Sie war offensichtlich krank und litt immer wieder unter plötzlichen Schlafattacken. Sie bekam ein Medikament, welches entwässernd wirkte.) und entblößte eine Beule an der Seite, die sich später als stark vergrößerte Nebenniere herausstellte:

Smithy habe ich bereits mit der Krankheit übernommen, nur hatte sie diese versteckt - was für Hamster in Gruppenhaltung nicht untypisch ist. Schwächere oder gar kranke Tiere werden nicht umsorgt, sondern vertrieben oder - da in einem Käfig keine Fluchtmöglichkeit besteht - nicht selten getötet.

Das ist auch ein Punkt, den man unbedingt beachten muss: Stress in der Gruppe verursacht Krankheit, welche vor den Artgenossen versteckt werden muss, was zusätzlichen Stress bedeutet! Weil Smithy diesem Stress und der Angst bei mir nicht mehr ausgesetzt war, hat sie sich "fallen" lassen, und noch einige Monate leben dürfen, bevor sie wegen ihrer Krankheit schließlich eingeschläfert werden musste.

Warum sind auch Zwerge so oft unverträglich?

Tatsächlich gelten Wildfänge und deren Nachzuchten als weniger aggressiv untereinander. Der Mensch sucht sich aber seine Zuchtpaare selbst aus und hat meist die Neigung, jeweils die hübschesten Tiere zu verpaaren. Der gute Züchter allerdings legt auch Gewicht auf den Charakter, und würde ein unnormal aggressives Tier aus der Zucht ausschließen - egal wie hübsch es ist. Die in den Zoohandlungen erhältlichen Tiere stammen oft aus Zuchten oder von Vermehrern, wo auf den Charakter der Elterntiere kein Wert gelegt wurde. Bei Massenzüchtern im Ausland, die hier in Deutschland den Großmarkt versorgen und wo der Bestand tausende Tiere umfasst, wird kein Pfleger solche Kontrollen durchführen - es ist einfach nicht möglich.

Das Sozialverhalten lernen die Jungtiere von ihren Eltern und Geschwistern. Eine zu frühe Trennung von ihnen ist kontraproduktiv, weil den Jungen dann im Erwachsenenalter ein Teil des "Wortschatzes" fehlt. Die Trennung des männlichen Nachwuchses von der Mutter findet also kurz vor der Geschlechtsreife statt, mit ca. 5 Wochen (Goldhamster sogar früher). Danach bleiben die zwei Gruppen noch eine Weile zusammen und es werden noch einmal die Jungtiere aussortiert, welche zur Gruppenhaltung ungeeignet erscheinen.

Die Zwerghamster in Zoohandlungen sind nicht selten 4 Wochen jung und haben entsprechende Defizite im Sozialverhalten - ich kann daher nur noch einmal appellieren, auf den Kauf von zwei Hamstern zu verzichten! Es kann gut gehen - zu 90% klappt es eher nicht.

 

Wohin enormer Stress in schlecht zusammengestellten Gruppen führt, oder wenn man strikte Einzelgänger zu Mehreren hält, werde ich jetzt zeigen.

 

Die Hamsterhilfe NRW hat Fälle von Tierquälerei dokumentiert, in dem offensichtlich schlecht informierte Halter Zwerg- und Goldhamster in Gruppen gehalten und nebenbei vermehrt hatten. Ich ziehe den Hut vor allen Leuten, die solche geschundenen Kreaturen aufgenommen und gepäppelt haben und ihnen einen stressfreien Lebensabend in Einzelhaltung gewähren!

 Anfang des Jahres 2008 übernahm die Hamsterhilfe 20 verwahrloste, ausgewachsene Dsungaren (16 Weibchen, 4 Männchen) aus dem Tierheim Köln-Zollstock, wo sie zwar nach Geschlechtern getrennt worden waren, aufgrund Platzmangel aber in großen Gruppen saßen. Die Tiere wurden auf Pflegestellen aufgeteilt, einzeln gesetzt und bedurften medizinischer Versorgung. Fast alle Hamster hatten schwere Bissverletzungen an den Bäuchen, was bei Kämpfen nicht untypisch bei erzwungener Gruppenhaltung und/oder schlechtem Sozialverhalten ist (wer sich unterwirft, wird trotzdem gebissen).

Einer der Geretteten...

Diesem wurde das Ohr zerfetzt.

Nur zwei Zwerghamster blieben von Bissverletzungen am Bauch verschont. Der Rest war im gezeigten grauenhaften Zustand.

Gruppenhaltung kann die Halter schnell überfordern, wenn man ein geschlechtsreifes Pärchen hat, welches sich vermehrt. Vermutlich war dies so ein Fall ungewollter oder bewusster Vermehrung, wo man am Ende nicht mehr wusste, wohin mit den Tieren. Andererseits werden diese Tiere nicht selten dazu gezüchtet, als Nahrung für Reptilien zu dienen. Sicher müssen diese Tiere auch fressen, aber gequälte und kranke Futtertiere liegen am Ende selbst einer Schlange schwer im Magen.

 

Goldhamster sind Einzelgänger!

Das steht in jedem Hamsterbuch und sollte allgemein bekannt sein. Leider überzeugen selbst hier manche Tierhalter, dass sie weder Bücher lesen noch sich von kompetenten Haltern, Züchtern oder Verkäufern beraten lassen.

Am 15.11.08 übernahm die Hamsterhilfe NRW 14 ausgewachsene Goldhamster von Privat. Alle Hamster saßen zusammen in einem tierschutzwidrigen, gerade mal 60 x 40 cm kleinem Käfig! Alle Tiere wiesen teils starke Verletzungen auf. Ursprünglich sollte die Hamsterhilfe sogar 16 Hamster bekommen, wobei zwei Tiere aber innerhalb der 24 Stunden, die aus organisatorischen Gründen seitens der Abgeber noch gewartet werden mussten, tot gebissen worden waren. Das Selbe passierte dem sich regelmäßig einstellenden Nachwuchs - er wurde von den Artgenossen gefressen.

Man mag kaum glauben...

...wie "biestig" niedliche Hamster werden können, wenn man sie zusammen einpfercht.

...

Dem Weibchen fehlt das rechte Auge

Ihr Artgenosse scheint erschöpft zu sein...

...auch er wurde bei Kämpfen verletzt.

Auch dieser Goldie sieht mitgenommen aus.

 

Ich denke, die Bilder sprechen für sich und zeigen, dass Gruppenhaltung von Goldhamstern Tierquälerei ist. Oder wie oft müssen diese Tiere noch beweisen:

"Wir wollen allein leben!"

Was die Hamsterhilfe erlebt, sind leider keine Einzelfälle. In Kleinanzeigen stoße ich ab und zu auf Angebote mit Hamsterpaaren, welche sich einen meist nicht artgerechten Käfig teilen müssen. Die Tiere haben nur während der Paarungszeit "Spaß" miteinander und sonst nur Stress. Trotz schlechter Haltung kommt es bei den Hamstern regelmäßig zu Nachwuchs.

Eine Ex-Gebärmaschine aus dem Internet ist die "Paula":

Paula kam mit einem eingekerbten Ohr und angeknabbertem Gesäuge in ihr neues Heim

Eine Bekannte von mir hat Paula und das dazugehörige Männchen "Pepe" aufgenommen und hält sie artgerecht allein und in großen Gehegen. Danke Christina, für Deinen Einsatz!

 

Abschließendes Fazit:

Ich rate von der Paarhaltung von Zwerghamstern ab, aber ich lehne sie nicht ab. Die Voraussetzungen, Pro' s und Contras dieser Haltungsform habe ich nach bestem Wissen, mithilfe von Erfahrungsberichten und Züchtern, aufgelistet und lasse dem Leser selbst die Wahl, ob er sich für diesen Weg entscheiden möchte. Der Halter allein trägt die volle Verantwortung für sein Tun und das Wohl seiner Tiere.

Sind noch Fragen offen? Die User des Hamsterforums beraten gern!

 

 

 

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