Der Hamster - ein Wühler und Nachtschwärmer!
Der Hamster zählt zu den Nagetieren (Rodentia) und hat daher
die typischen, ständig nachwachsenden Schneidezähne, mit Denen er feste
Materialien im Nu zerlegen kann. Ebenfalls prägend sind seine kurzen, kräftigen Beine,
der
walzenförmige Körper und die mausartigen Ohren. Die am Besten ausgeprägten Sinne
sind der Geruchs- und der Höhrsinn. Am Schlechtesten kann der Hamster sehen.
In der Natur lebt der Hamster in unterirdischen Bauten und
verlässt ihn meist nur in der Dämmerung. Forscher der Martin - Luther
Universität Halle an der Saale fanden kürzlich heraus, dass frei lebende
Goldhamster nicht wie immer vermutet, rein nachtaktiv sind, sondern ihre
Hauptaktivitätszeit zur Morgen- und Abenddämmerung haben. So entgehen sie der
Tageshitze und ihren Fressfeinden (z.B. Eulen) in der Nacht. Je nach Hamsterart
sehen die Bauten unterschiedlich aus und gehen bis in 1m Tiefe. Die
Temperatur im Bau bleibt dort relativ konstant. Fällt die Temperatur dennoch
unter 10° Grad, können Goldhamster in eine Kältestarre fallen. Dazu minimieren sie
ihren Stoffwechsel und "verschlafen", tot wirkend, die kalte Zeit. Die
Hamsterbauten
bestehen meist aus einer Wohnkammer, einer Vorratskammer, einem "stillen
Örtchen" und einigen Verbindungsgängen.
Das auffälligste Merkmal aller Hamster ist das "Hamstern", das
Sammeln von Futtervorräten. Das gesammelte Futter wird in der Vorratskammer
gelagert. Zum Transportieren nutzt der Hamster seine Backentaschen, in die eine
große Menge Futter passt:

Der Futtervorrat wird für die Zeit angelegt, in der nichts auf
den Feldern wächst oder der Boden gefroren ist. Für die Nahrungsbeschaffung
legen die Hamster weite Strecken zurück, manchmal sogar mehrere Kilometer am
Tag.
Die meisten heute erhältlichen Hamster begannen ihre "Heimtierkarriere" als Versuchsobjekte in Laboren. 1930 wurden erstmals Goldhamster
von Professor Israel Aharoni in Syrien gefangen
und an der Hebräischen Universität von Jerusalem vermehrt. Von den gefangen
Tieren (eine Mutter mit ihren Jungen) überlebten nur drei Männchen und ein Weibchen
aus dem Wurf. Mit den Geschwistern wurde
der Grundstein für eine Zucht gelegt und fast alle heute erhältlichen
Goldhamster stammen von diesen Tieren ab. Obwohl es weder physische noch im
Verhalten große Unterschiede zur Wildform gibt, ist durch die jahrzehntelange
Inzucht die genetische Vielfalt im Erbgut um 70% gesunken. Wie schlimm es
mit der Inzucht bei den anderen Hamsterarten steht, konnte ich noch nicht in Erfahrung
bringen.
Trotzdem sind unsere Hamster erstaunlich instinktsicher,
suchen mit aller Hingabe nach Nahrung, sind extrem bewegungsfreudig, und sie verschließen den Eingang zu ihrem Haus, wenn es ihnen
kühl wird. Wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, graben Einige sogar einen
richtigen Bau in ihrer Streu. Dazu gibt es bei unseren Hamstern mittlerweile
unzählige Farb- und Fellvarianten. Aufgrund unseres milden Wohnungsklimas und
fehlender Fressfeinde verschiebt sich die Aktivitätszeit unserer Wohnungshamster
eher auf den frühen bis späten Abend und dauert bis in die frühen Morgenstunden
an. Während der aktiven Phase wird Nahrung gesammelt, das Revier markiert und
der Bewegungsdrang ausgelebt.
Hier die bekanntesten Hamsterarten im Einzelnen:
Goldhamster (Mesocricetus auratus)

Der Goldhamster wird aufgrund seiner Größe zu den
Mittelhamstern (Mesocricetus) gezählt. Er wird zwischen 15 und 18 cm lang und kann zwischen 90
und 180 Gramm wiegen. Weibchen wiegen dabei in der Regel mehr wie die Männchen.
Es kommen bei dieser Hamsterart viele Fell- und Farbvarianten vor, unter Anderem
sind Designerbegriffe wie "Teddyhamster" ( = Goldhamster mit langem Fell) und
"Pandahamster" (schwarzer Goldhamster mit weißem Band) bekannt.
Der Goldhamster gilt in seiner Heimat
als Ernteschädling und wird mit allen Mitteln verfolgt. Sein einziges
Verbreitungsgebiet ist der Norden Syriens in der Hochebene von Aleppo. Dort lebt
er auf knapp 15000qkm unter den Feldern. Der syrische Goldhamster ist in seinem
Bestand stark bedroht, da er mit Gift bekämpft wird und durch intensive
Landwirtschaft (z.T. mit Brandrodung) kaum mehr eine geeignete Nahrungsgrundlage
findet.
Als absoluter Einzelgänger duldet er keine Artgenossen
in seinem Revier und verteidigt es vehement gegen Eindringlinge. Männchen
und Weibchen treffen sich nur zur Paarung, danach trennen sich sofort wieder
ihre Wege. Als Heimtiere sind sie leicht zu zähmen. Problematisch kann es nur
werden, wenn der Goldhamster sein Revier gegen die menschliche Hand verteidigt,
oder mehrere Goldhamster im selben Raum gehalten werden.
Dsungarischer Zwerghamster (Phodopus sungorus)

Der Dsungarische Zwerghamster ist auch als russischer
Zwerghamster bekannt und lebt in den Steppen- und Weidegebieten des südlichen
Sibiriens und Kasachstans. Seine Körperlänge beträgt durchschnittlich 9
Zentimeter und das Gewicht zwischen 30 und 50 Gramm. Der Dsungare hat behaarte
Füßchen, die ihn in seiner teils kühlen Heimat bei niedrigen Temperaturen
schützen. Dsungaren halten keinen Winterschlaf und färben ihr Fell zum Winter
oft weiß. Gezüchtet wird der Dsungarische Zwerghamster in seiner
Naturfarbe (heller Bauch, grauer Rücken, dunkler Aalstrich), in Saphir (heller
Bauch, blaugrauer Rücken, dunkler Aalstrich) und in Perlmutt (durchgehend helles
Fell mit kaum durchscheinender Naturzeichnung). Die Augen dieses Hamsters sind
immer schwarz.
Während der Sommerzeit finden sich die Dsungaren
zu Paaren zusammen, um ihre Jungen zu gebären und groß zu ziehen.
Solche Gemeinschaften bestehen nur kurzzeitig und sind nicht dauerhaft. Dsungarische Zwerghamster sind von sich aus sehr neugierige Tiere ohne große
Scheu und daher leicht zu zähmen.
Campbell - Zwerghamster (Phodopus campbelli)

Das Verbreitungsgebiet des Campbells überschneidet sich mit
dem des Dsungaren im südlichen Sibirien, reicht aber weiter nach Süden über die
Mongolei bis ins angrenzende China. Optisch können sie mit dem Dsungarischen
Zwerghamster verwechselt werden, denn zwischen den Arten besteht eine gewisse
Verwandtschaft. Jedoch ist der Campbell vom Körperbau her runder, ist in wird in mehr Farbschlägen
gezüchtet und kann auch rote Augen haben. Im Gegensatz zum Dsungaren
färbt er sein Fell zum Winter nicht um.
Bei dieser Hamsterart leben die Paare deutlich länger
zusammen, als es bei anderen Hamsterarten der Fall ist. Allgemein gelten
Campbells als scheuer und schwerer zähmbar. In Zoohandlungen sind sie
selten anzutreffen. Ich habe mit dieser Hamsterart noch keine persönlichen
Erfahrungen machen dürfen.
Roborowski - Zwerghamster (Phodopus roborovskii)

Im östlichen Kasachstan und nördlichen China beheimatet,
bewohnen sie die Wüsten und Halbwüsten. Der Roborowski - Zwerghamster ist der
kleinste Vertreter der im Handel erhältlichen Zwerghamster und ist mit seinen 7
- 9 Zentimetern und maximal 35 Gramm ein echter Winzling. Die Farben gehen vom
gelb - bräunlichen bis zum gräulichen mit heller Unterseite.
Obwohl diese Tiere als sozial gelten und im Zweierpack
verkauft werden, kommt es in der
Heimtierhaltung zwischen den Tieren manchmal aus kaum ersichtlichen Gründen zu
Streit und Beißereien. Auf Stress reagieren Roborowskis sehr empfindlich!
Richtig handzahm werden diese Hamster nur selten und sind daher nur als
Beobachtungstier geeignet.
Chinesischer Zwerghamster (Cricetulus griseus)

Dieser Hamster ist auch als chinesischer Streifenhamster oder
Daurischer Zwerghamster bekannt. Ihr Verbreitungsgebiet ist von Südsibirien über
die Mongolei bis ins nördliche China und Korea. Die auffälligsten Merkmale
dieses Hamsters sind der schlanke Körperbau und der vergleichsweise lange
Schwanz. Das gibt ihm ein mausähnliches Aussehen. Das Fell ist braun-gräulich mit dunklem
Aalstrich, die Unterseite hell gefärbt. Eine Zuchtform ist der fast weiße
chinesische Streifenhamster.
Sie gelten als aggressive Einzelgänger und sind
in Gefangenschaft schwer zu vergesellschaften. Auch mit dieser Hamsterart
habe ich noch keine persönlichen Erfahrungen machen dürfen.
Hybriden
Eine besondere Stellung dürften Hybriden einnehmen. Diese
entstehen aus einer Verpaarung von Dsungare und Campbell. Alle
anderen Hamsterarten können zusammen keinen Nachwuchs zeugen.
Der einzige Reiz an dieser "Zucht" sind ausgefallene und
seltene Farben. Das darf aber kein Grund zur Zucht solcher Tiere sein,
denn zum Einen verpaart man Tiere unterschiedlicher Arten miteinander, zum
Anderen ist die Gefahr von Erbkrankheiten und Diabetesanfälligkeit sehr hoch.
Das so genannte "backflipping-Syndrom" ist eine häufige Erbkrankheit bei
Hybriden. Ähnlich wie bei der "Tanzmaus", die ihre Bewegungen nicht
kontrollieren kann, fällt der "Backflipper" beim Aufrichten nach hinten um.
Schuld sind Orientierungslosigkeit und ein beschädigter Gleichgewichtssinn.
Vererbt wird die Krankheit durch den Campbell, bei dem es gelegentlich auftreten
kann. Nicht zu unterschätzen ist auch die vererbte Fettleibigkeit bei Hybriden
mit Mandaringen. Daraus entwickelt sich oft Diabetes.
